Substituierte Eltern und Kindeswohl

von Knut Kiepe

Für substituierte Menschen mit Elternverantwortung muss zunächst dasselbe gelten, wie für Menschen ohne eine Drogenabhängigkeit: Sie brauchen eine verlässliche und bedarfsgerechte soziale Infrastruktur. Das heißt: Auch sie müssen die Möglichkeit haben, ihrer Verantwortung als Eltern nachkommen zu können. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kind in der Familie lebt, allein bei einem Elternteil, aus der Situation herausgenommen werden muss (in Pflegefamilie, Adoption, Heim) oder zum Beispiel nach langer Zeit wieder Kontakt zu den Kindern gesucht oder von diesen selbst hergestellt wird – das Thema Elternschaft bleibt bestehen!

Substituierte Eltern dürfen also nicht per se schlechter gestellt, das Recht auf Elternschaft abgesprochen bekommen oder gar kriminalisiert werden. Gleichzeitig hat aber die jüngste Vergangenheit mit traurigen Vorfällen (siehe Kevin, siehe Chantal) bestätigt, dass immer das Kindeswohl an erster Stelle stehen muss! Wir sind der Ansicht, dass beiden Linien Rechnung getragen werden kann, wenn das notwendige Mehr an Kontrolle und Restriktion durch eine verbesserte Betreuung und Begleitung aufgefangen wird. Was wir benötigen, sind (Minimal)-Standards in der Substitutionsbehandlung von (werdenden) Eltern mit Opiat- und polytoxikomaner Abhängigkeit:

  • Deutliche Erhöhung der Standards der Beigebrauchskontrollen bei substituierten Eltern, die Verantwortung für Kinder ausüben.
  • Take Home-Vergabe nur dann, wenn keine Kinder im Haushalt leben oder nach Absprache mit dem Jugendamt.
  • Überweisung aller substituierten Patient/innen vom behandelnden Arzt an die zuständigen Beratungsstellen zur Ermittlung des psychosozialen Hilfebedarfs.
  • Dokumentation des psychosozialen Hilfebedarfs von den beauftragten Suchtberatungsstellen nach zweckmäßigen (und einheitlichen) Standards.
  • Innerhalb der Beratung muss dem Kinderschutz Rechnung getragen werden, indem die Versorgungs- bzw. Erziehungsfähigkeit von Kindern in verbindlicher Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jugendamt festgestellt wird. Bei festgestellten Mängeln sind  geeignete Jugendhilfemaßnahmen vorzusehen.
Der Text ist ein Auszug aus: „Substitution: Überlebenssicherung-Gesundheitsförderung-Familienhilfe-Teilhabe-Ausstiegsoption“, Statement für die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege (BAG FW) zum Fachgespräch des Bundesministerium für Gesundheit am 22. und 23.01.2013.
Beitrag aus Partnerschaftlich 04/13 

4 thoughts on “Substituierte Eltern und Kindeswohl

  1. ich habe selbst probleme mit ja bin substituiert und krieg mein kind nicht weil ich einen rückfall hatte ich kann nicht mehr

  2. Ich/ wir sind substituiert und beikonsum frei unsere Tochter soll im Januar zur welt kommen….. wir haben bereits jetzt kontakte zu jugendamt. Eine Familienhebamme besucht uns einmal wöchentlich auch haben wir bereits einen Antrag auf Familienhilfe gestellt… trotzdem habe ich Angst vor der Zukunft

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