Vier Jahre Kooperationsvereinbarung zur Koordinierung von Hilfen für suchtkranke Eltern und deren Kinder in Göttingen

Seit 2008 besteht in Göttingen eine Kooperationsvereinbarung zwischen 16 Institutionen und Einrichtungen. Vertreten sind die Bereiche  Suchthilfe, Jugendamt, Familienhilfe, Jugendhilfe und Medizin. Alle Kooperationspartner verfolgen das Ziel, suchtkranken Eltern und ihren Kindern bestmögliche Hilfen und Unterstützung zukommen zu lassen, um ihnen ein dauerhaft gemeinsames Leben zu ermöglichen.

Eine wesentliche Aufgabe besteht darin, das Vertrauen in die bestehenden Hilfsangebote der Einrichtungen vor Ort aufzubauen und somit deren Inanspruchnahme zu fördern, denn nur so können vor allem auch jüngere Kinder suchtmittelabhängiger Eltern adäquat unterstützt und gefördert werden.

Die Kooperationsvereinbarung sieht vor, dass die Zusammenarbeit zwischen den an der Betreuung beteiligten Institutionen in einem verbindlichen, Sicherheit gebendem und aufeinander abgestimmten Behandlungsrahmen stattfindet.

Im Rahmen der Kooperation werden Angebote zur Behandlung der Suchterkrankung, zur Verbesserung der alltäglichen Lebensbedingungen, zur Krisenbewältigung sowie Hilfen zur Erziehung angeboten und vermittelt.
Eine bessere Vernetzung wird durch ein umfassendes und aufeinander abgestimmtes Behandlungskonzept ermöglicht.

Schwangere sowie Eltern werden umfassend über die verschiedenen Hilfsmöglichkeiten für sie und ihr Kind informiert und gemeinsam werden Maßnahmen, Regelungen und Verantwortlichkeiten abgesprochen und festgelegt. Eine Zustimmung der Eltern ist Voraussetzung, um die interdisziplinäre Kooperation wirksam werden zu lassen.

Es wurden in diesem vernetzten Rahmen bisher mehrere Familien bzw. Alleinerziehende (fast ausschließlich Substituierte) in unterschiedlicher Intensität und durch verschiedene Professionen und Institutionen begleitet.
Die gute Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen sowie den Eltern und ihren Kindern stellte für alle eine große Entlastung dar und bot allen Beteiligten ein gewisses Maß an Sicherheit.

 Was bisher gut gelungen ist innerhalb der Kooperation:

–  eine gute geburtsvorbereitende wie auch nachsorgende Begleitung durch eine niedergelassene Hebammenpraxis

–  eine gute Versorgung der gebärenden Frau durch die integrative Wochenbettstation der Universitätsmedizin Göttingen (UMG)

–  eine gute gesundheitliche Versorgung des Neugeborenen durch die Abteilung
Kinderheilkunde, pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der UMG

–  eine gute Begleitung der Kleinkinder durch das sozialpädiatrische Zentrum der UMG

–  der Kontaktaufbau zum Jugendamt schon vor der Geburt des Kindes sowie die
Einleitung von Hilfen für die Zeit nach der Geburt (z.B. Soz.-Päd. Familienhilfe)

–  eine gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Anbietern von sozialpädagogischer
Familienhilfe

–  eine schnelle und unbürokratische Hilfe bei akutem Rückfall durch stationäre
Aufnahme im Asklepios Fachklinikum Göttingen

–  ein besser aufeinander abgestimmter Behandlungsrahmen für Eltern und Kinder

–  eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und verschiedenen Institutionen,
wenn trotz aller Hilfen ein gemeinsames Leben von Eltern und Kind nicht möglich war und eine Fremdunterbringung eingeleitet werden musste

–  ein Orientierung und Sicherheit gebender Rahmen für schwangere Frauen, Mütter und
Väter sowie für die BehandlerInnen

–  ein Abbauprozess von Vorurteilen und Ängsten gegenüber dem Jugendamt auf Seiten
der Eltern sowie ein Abbau von Vorurteilen und Berührungsängsten auf Seiten der
professionellen HelferInnen gegenüber suchtkranken Eltern

Bis hierher also eine durchweg positive Bilanz.

Es zeigt sich aber auch, dass schriftlich vereinbarte Schritte nicht immer einfach und auf direktem Weg  in die Praxis umsetzbar sind. Manchmal braucht es Umwege und ungewöhnliche Interventionen sowie Zeit, um Vertrauen und eine Bereitschaft zur Zusammenarbeit aufzubauen. Besonders schwierig sind medikamenten- oder alkoholabhängige schwangere Frauen, Mütter und Väter zu erreichen.
Diese Zielgruppe konnte bisher von den verschiedenen Institutionen des Netzwerkes nicht adäquat erreicht werden und stellt für die zukünftige Arbeit eine Herausforderung dar.

 

 

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