Elternschaft und Suchterkrankung

„Suchtkranke Eltern wollen gute Eltern sein. Suchtkranke Eltern brauchen Ermutigung und Unterstützung bei der Wahrnehmung ihrer Elternverantwortung. Das Wohl der Kinder muss bei diesen Bemühungen im Mittelpunkt stehen.“ (Zitat)*

Je nach Quelle wird davon ausgegangen, dass in Deutschland zwischen 2,65 und 2,7 Millionen Kinder bis 18 Jahre von einer elterlichen Alkoholstörung betroffen sind. Die Zahl jener, deren Eltern unter nicht-stofflichen Süchten wie Spiel-, Arbeits- oder anderen Verhaltenssüchten leiden, lässt sich nicht beziffern. Zwischen 40.000 und 50.000 Kinder leben mit Eltern, die von illegalen Drogen abhängig sind.

„Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr.“

Was Wilhelm Busch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck brachte, gilt heute mehr denn je. Menschen mit Kindern müssen über einen sehr langen Zeitraum vielfältige Belastungssituationen bewältigen: Versorger, Bezugsperson, Vorbild und Erzieher in einem zu sein, ist eine Herausforderung, bei der viele Eltern an ihre Grenzen kommen und sich phasenweise überfordert fühlen. Dass die Anforderungen des Familienalltags mit der Suchterkrankung eines Elternteils noch mühsamer zu erfüllen sind, bedarf keiner Erläuterung. Suchtkranke Eltern wollen aber in der Regel genauso gute Eltern sein wie nicht suchtkranke. Aus Scham, Schuldgefühlen und/ oder Angst vor dem Jugendamt, werden Hilfeangebote oft nicht oder erst zu spät in Anspruch genommen. Entsprechende Hilfen sollten aber möglichst frühzeitig einsetzen, zum Wohl des Betroffenen, der Kinder und der ganzen Familie.

Sucht ist eine Familienkrankheit und oftmals über Generationen hinweg immer wieder Ursache von Leid, Krankheit und Tod. Kinder von suchtkranken Eltern sind die größte bekannte Sucht-Risikogruppe. Ihr Risiko, als Erwachsene selbst suchtkrank zu werden, ist im Vergleich zu Kindern aus Familien ohne Suchtproblematik bis zu sechsfach erhöht.

  • Etwa ein Drittel dieser Kinder wird im Erwachsenenalter von einem Suchtstoff abhängig.
  • Ein Drittel entwickelt psychische oder soziale Störungen.
  • Ein Drittel kommt – scheinbar – ohne sichtbare Schädigungen davon, doch viele von ihnen kämpfen mit Depressionen, Ängsten, psychosomatischen Störungen und nichtstofflichen Abhängigkeiten.
  • Kinder suchtkranker Eltern haben eine starke Neigung, sich wieder eine/n süchtige/n Partner/in zu suchen.

Insbesondere die Suchtberatung ist aufgrund ihrer Kompetenzen und Kooperationen dafür qualifiziert, gemeinsam mit Familien Erfolg versprechende Hilfeoptionen zu entwickeln und sie im Hilfeprozess zu begleiten.  Es existiert eine Vielfalt an Konzepten, mit denen sich die Suchthilfe an Familien wendet, um individuellen Lebenssituationen gerecht werden zu können.